Friday, July 20, 2007

Warum bin ich hier?

Grundsätzlich hab ich keine riesen Erwartungen an Gott für die Zeit. Ich lass mich überraschen.
Ich bin aber aus ein paar Gründen ins Kloster gegangen:
-Ich bitte Gott um ein Wort für die Zukunft
-Ich brauche irgendwie Weisung, auch in beruflicher Hinsicht.
-Verlag, Jesusfreaks, Volxbibel?
-Oder doch: Jobsuche in der Welt? Reich Gottes Ade?
-Eine Verheißung, an der ich mich hochziehen kann, in Zeiten des Zweifels wäre geil.

1. Tag, Montag


1. Tag. Bin in Maria Laach gut angekommen. Das Kloster liegt an einem sehr großen See. Ein riesen Gebäudekomplex. Neben dem Kloster ist die Klosterkirche, die vor 900 Jahren hier gebaut wurde. Das Leitwort des Gründers war dabei „Damit in allem Gott verherrlicht würde“.

Mein Zimmer wirkt so ein bisschen wie Jugendherberge vor 50 Jahren. Drei Betten, Uraltperser am Boden, ne Tischlampe aus dem 2. Weltkrieg und etwas muffig riecht es auch.

Nachmittags ne Stunde in der Kapelle/Kirche gesessen und Orgelmucke gelauscht.

Es war eine sehr entspannte Atmosphäre. Irgendwie war Gott da. Durch den Sonnenstrahl in einem Fenster schien in einem Seitenflügel fast wie mit einem Halogenstrahler das Licht auf einen der zwei Buchstaben im linken Kirchenschiff. Und zwar auf den Buchstaben O. Ob das jetzt sowas heißt wie: „Etwas geht zu Ende!“ Oder „Es ist am Ende!“? O ist das, was für uns das Z im Alphabet ist.


Auf dem im Zimmer liegenden Plan steht für diese Uhrzeit „Vesper“. "...schön, es gibt was zu essen!", dachte ich so bei mir. Renne zum Essensraum. Komisch, keiner da. Nur ein älteres Ehepaar aus Italien sitzt im Vorraum. Auf die Frage: „Is there no Vesper today?“ sehen die mich ganz entgeistert an. Als ich dann auf den Plan verweise, zeigt mir der Mann in Richtung Klosterkirche „Vesper, Vesper!“ Es muss sich hierbei wohl um einen Gottesdienst handeln...

Und dieser Gottesdienst ist echt eine Erfahrung.

Vorne, in einem abgegrenzten Bereich, stehen sich ca. 40 Mönche, in langen schwarzen Kutten, in dreier Reihen gegenüber. Zur Orgelmusik werden unterschiedliche Gesänge (wer die hören will, hier klicken), meistens im Wechsel vorgetragen. Sie klingen so ähnlich, wie die Gesänge auf meiner Gregorianischen CD, die ich mir mal vor Jahren gekauft hatte. Zum Teil stehen die Besucher, die sich in der Kirche befinden an bestimmten Stellen immer Mal wieder auf, dann knien sie sich wieder hin. Versuch mich irgendwie an den anderen zu orientieren, steh auf, wenn die anderen aufstehen, setze mich, wenn der Vordermann es auch tut, usw. Irgendwann schließ ich die Augen und versuche einfach Gott zu spüren. Und sein Geist ist für mich deutlich anwesend, es ist eine ganz angenehme, liebliche Atmosphäre, so wie ich sie von guten Lobpreiszeiten her kenne.

Traue mich keine Photos zu machen.

Mittagessen. Endlich was zu futtern. Wir, das bedeutet die Gäste und ich, warten gemeinsam vor einer sehr großen Holztür im Erdgeschoss, bis wir von einem Mönch reingebeten werden. Hinter der Tür befindet sich ein großer Saal, der ein wenig an alte Ritterfilme erinnert. An den vier Wänden sind lange, schwarze Holzbänke angebracht, auf denen die Mönche in ihren Kutten sitzen. Davor ebensolange Tische. In der Mitte sitzen wir an einem Extra-Tisch. Rechts und links zwei sehr alte Wandgemälde, wo das letze Abendmahl mit Jesus und seinen Jüngern abgebildet ist. Während der Essenszeit wird nicht gesprochen.

Kaum sitze ich, kommt ein jüngerer Mönch und schüttet uns Tee in die Tassen. Leider hatte ich nicht geschnallt, dass man diese vorher umdrehen muss und geh in der Runde leer aus. Dafür krieg ich bei der zweiten Fuhre in meinen umgedrehten Becher Buttermilch, würg...

Ich schaue ein wenig in die Gesichter der alten Männer in ihren schwarzen Kutten. Sind die glücklich? Sind sie erfüllt? Fühlen die sich Gott nahe? Ist es cool für sie hier als Mönch zu leben?

In der Mitte des Raumes steht an der Wand, auf einer erhöhten Empore ein jüngerer Mönch, der durchgehend während des Essens wohlbetont Predigten (auch vom Papst Benedikt) vorliest. Es ging heute um Vergebung. Frag mich, ob ich noch irgendjemanden vergeben sollte, komme aber, trotz grübeln, auf keinen.

Der Typ gegenüber braucht für seine Quarkspeise ewig und anscheinend wird das Essen auch nicht beendet, bis nicht jeder im Raum fertig ist. Der Mönch auf der Empore bekommt einen Hustenreiz, und gibt sich allergrößte Mühe, seinen Text wohl betont und sauber zu Ende zu bringen. Nachdem mein Gegenüber endlich die letze Pfirisichspalte im Mund versenkt, ist das Abendbrot vorbei.


Nachmittags in den Ort gegangen. Im christlichen Buchladen neben dem Kloster gibt es viele Bücher aus dem evangelikalen Bereich, Spieker, Hahne und sogar die Bibel in Gerechter Sprache. Aber auf die Frage, ob sie dort auch „die Volxbibel, mit X“ verkaufen würden, sah mich die Verkäufern nur überrascht an. Davon hatte sie nich nie was gehört. Wie kann das angehen?

Abendessen wieder mit den Mönchen. Es wird durchgehend im Hintergrund Predigten von einem jüngeren Mönch vorgelesen. Was bei mir hängen blieb, war: „Herr erlöse uns vom Laster des Murrens“. Das wiederspricht ganz klar der „kritischen Theorie“ von Habermas! Murr, Murr.;+)

Dann langer Spziergang im Wald (fast verlaufen).

Im Abendgottesdienst denke ich weiter über meine Zukunft nach


2. Tag, Dienstag


Gut geschlafen, aber schon vor dem Wecker aufgewacht. Der Engel ist leider nicht aufgetaucht. „Morgenhore“ um 5.30 hab ich doch nicht gepackt, aber beim „Konventamt“ um 7.30 war ich am Start. Während die Gemeinde und Besucher in der Kirche sitzen, erklingt das Orgervorspiel und die 30 Mönche ziehen durch einen Extraeingang vorne rechts in den Altarraum ein. Die zwei ersten haben einen hellen Talar mit Grünen Bandarolen, die hinteren kommen wie immer ganz in schwarz. Sie setzen sich auf zwei hohen Bankreihen im Altarraum gegenüber. Ein Priester liest ein Gebet und ein Stück aus der Bibel.

Die Orgel klingt einfach geil. Wenn die Sonne durch die Kirchenfenster scheint, leuchtet die Figur beim Altar ganz irre.

Danach noch Bibellese in meinem Zimmer. Schlag zufällig 1. Könige 2 auf, wo die letzten Anweisungen von David und sein Tod beschrieben werden und lese die.

Beim Abendessen bin ich sehr gelöst. Es gibt überbackene Kartoffelecken, sehr lecker. Bekomme zum ersten Mal ein Lächeln von dem Gästepater, der neben mit sitzt. Plötzlich kriege ich mit, dass in der Hintergrundlesung genau die Stelle vorgetragen wird, die ich gerade in meinem Zimmer hatte: 1. Könige 2. Aber was das bedeuten könnte? Keine Ahnung.

Abends: Während des „Komplet“ kommen in meinem Kopf Sachen zusammen, die sich auf dem anschließenden Spaziergang um den Laacher See noch mehr verfestigen.

Ich kann darüber jetzt nicht schreiben, weil es zu privat ist. Aber es ist im Grunde genau, dass warum ich herkommen bin. Der Beginn von einer Antwort auf die Frage, nach meiner Zukunft.


Heute geh ich früh um zehn Uhr pennen. Der lange Spaziergang (3 Stunden) hat mich geschlaucht und ich will versuchen, morgen mal zur ganz radikal Jesusfreakslike zum Morgengebet um 5.30 Uhr zu gehen....

3. Tag Mittwoch


5.00 Uhr. Mein Wecker klingelt. Shit, „Morgenhore“? Muss doch nicht sein oder? Aber nachher ist es eine verpasste Chance und Gott wollte mir gerade da begegnen... Quatschgedanke, aber trotzdem: hoch!
Was dort sehr seltsam war: Es wurde wieder eine Stelle aus dem 1. Könige vorgelesen, die ich gerade gestern selbst auch gelesen hatte. Sie liegt sogar noch aufgeschlagen auf meinem Schreibtisch. 1. Könige, 2, 13-27. Es geht hier um den gerade gewordenen König Salomo. Adonia versucht ihn irgendwie auszutrixen indem er seine Mutter vorschickt, Betseba, um eine Erlaubnis einzuholen, damit er Abischag heiraten darf. Damit will er eigentlich eine Revolte anzetteln, es ist der Versuch, seinen Anspruch auf dem Thron hintenrum geltend zu machen. Die Sache ging schief, Adonia musste sterben. Aber was hat das jetzt zu bedeuten?
Bei der Tageshore ist die Kirche rammelvoll mit Touristen, die sich total daneben benehmen. Der Reiseleiter steht ganz vorne in der Mitte des Ganges, rückwärtig zum vorderen Kirchenschiff und hält lautstark einen Vortrag über das Kloster. In der Zeit geht der Gottesdienst aber los, und die Mönche ziehen ein, was der Typ aber garnicht merkt (obwohl die Orgel schon ne zeit lang spielte)! Einer der Mönche zischelte ein paar deutliche Worte in seine Richtung und klatschte dabei laut in die Hände, bis der Reiseleiter sein Fehlverhalten bemerkte und sich endlich hinsetzt.
Nach dem Gottesdienst werden wir Gäste über einen Nebeneingang wieder mit in den Saal geführt, wo wir gemeinsam das Mittagessen mit den Mönchen einnehmen. Der Gast soll bei den Benediktiner eine Hauptrolle einnehmen und extrem freundlich behandelt werden, erklärt mir ein Typ nach dem Essen im Flur.

Ansonsten das normale Programm. Beim Kaffee ein heftiges Gespräch mit dem Tischnachbarn gehabt. Er meinte: „Der Papst hat ja auch gesagt, es ist doch eigentlich alles gleich, ob man nun an Buddah oder Allah oder Jesus glaubt! Das finde ich gut.“ „NEIN!“ meinte ich „Ist es nicht! Oder ist Gott schizophren und sagt dem einen, das er will, dass wir unsere Feinde lieben und den anderen, dass es eine gute Idee ist, sich ne Bombe um Bauch zu binden und die im Bus zu zünden, wenn ein Feind drin sitzt? Wenn Jesus sagt: 'Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als durch mich', dann ist auch nur ER der Weg“.
Nachmittags bin ich drei Stunden um den ganzen See zu Fuß gelaufen, mörder Strecke und meine Beine tun weh.
Mein Gastpater Timotheus war heute irgendwie nicht da. Mal sehen, ob ich noch mit ihm reden werde.
Volxbibel Psalm 68 fertig gereimt, dann Recht früh in die Heia um 22.00 Uhr.

4. Tag, Donnerstag


Heute den ganz frühen Gottesdienst verpennt, dafür aber zum zweiten. Dann Frühstück. Beim Essen mit einem Tischnachbarn längeres Gespräch geführt
Um 9.00 drei Stunden Spaziergang mit einem jungen Lehrer, der aus Holland kommt. Konnte mein Holländisch mal wieder etwas auffrischen, „echt lecker“. Wir haben über so ziemlich alles geschnackt, was man so bereden kann: Beruf, Frauen, Religion, Hobbys.
12.00 „Hore“ Gottesdienst und dann essen. Spagetti mit Hacksoße, aber so lecker gewürzt, einmalig gut! Heute haben uns ganz überraschend fünf Patres in schwarzen Roben am Tisch gegenüber gesessen. Der eine hat mit leicht verzogener Mine mein T-Shirt betrachtet (Volxbibel in klein). Mal sehen ob da noch ein Gespräch folgen wird... Bin Timotheus immer noch nicht begegnet. Ich hab zu Jesus gesagt, er soll das organisieren, wenn er es für richtig hält, dass ich mit dem rede.
Hochzeitstag, darum Schatz angerufen und Blumen von Nachbarsladen bestellt.
Die erste wirklich gute Gebetszeit im Zimmer. Da ich beim beten immer auf und ab gehe, müssen meine Nachbarn fast durchgetillt sein, weil der alte Holzboden hier bei jedem Tritt irre quietscht. Aber Jesus war da und ich hab ihn mein Herz ausgeschüttet. Er hat auch etwas zu mir gesagt, das hab ich dann in mein anderes Tagebuch geschrieben.
Abends:
Jetzt hab ich Bruder Timotheus beim Apfelsaft holen getroffen und mich mit ihm verabredet! Über ne Stunde konnten wir uns sehr geil unterhalten. Hab ihn viel erzählt, Volxbibel kannte er nicht, aber die Jesusfreaks. Er hat mir zwei gute Tipps gegeben und mich nach meiner dritten Vision gefragt. So wurde er der erste, dem ich davon erzählt habe. Er war anscheinend so begeistert, dass er gleich sagte: „Kann ich da auch mitmachen?“ ;+) Cool! Haben Emails und Telefonnummern ausgetauscht.
Timotheus hat mich gefragt, ob ich denn überhaupt mit dem ganzen hier was anfangen konnte. Ich hab ihm dann von meinen Erlebnissen mit Gott erzählt und ich glaube, er hat sich dadrüber gefreut. Am Ende hat er mir dann noch die Hände aufgelegt und für mich vollmächtigt gebetet. War richtig geil!
Beim Rausgehen hab ich ihm dann noch die Kohle in die Handgedrückt. 30 Euro pro Tag ist hier der Richtwert, wer nichts hat, gibt nichts, wer viel hat, gibt viel. Ich gebe viel.

5. Tag, Freitag


Freitag:
Heute ist der letzte Tag. Super geschlafen und heftigen Traum gehabt. Ich kann mich nicht mehr an den Inhalt erinnern, aber die Aussage war so: „Immer Gott treu bleiben, egal was passiert! Das ist wichtig.“

Werde noch duschen und dann Sachen packen. Nach dem Mittagessen fahr ich.

Zusammenfassung der Zeit



Die Zeit in Maria Laach war sehr besonders. Unsere alte Kirche mit ihren Traditionen hat Was, wenn man in der Lage ist, diese Traditionen mit Geist zu füllen und sich Inhalte zu übersetzen. Schafft man das nicht, ist es leer (aber gilt das nicht auch für die neuste charismatische turbo Gemeinde?)
Ich war hier, um Weisung von Jesus zu bekommen. Ich denke, er hat mir hier eine konkrete Sache klargemacht, aus der eine Entscheidung kommen wird: In den nächsten zwei Jahren werde ich das Volxbibel AT schreiben. Nebenbei will ich eine Bibelfernschule machen, um bibelmäßig stärker zu werden. Das hat Gott so gesagt.
Alles andere (Jesusfreaks, Verlag und/oder Jobsuche?) wird Gott fügen, wenn die Zeit dafür da ist, da brauch ich mir keinen Kopf drum machen. Es wird auf mich zu kommen und ich kann mich dann in Ruhe dafür oder dagegen entscheiden. Ich hab ihn darum gebeten und er wird das Beste für sein Reich rausholen. Das deckt sich auch mit den Eindrücken, die Gott mir gleich beim ersten beten gegeben hat („bleibe im Land“= Keine großen Veränderungen, „ernähre dich redlich“=Bibelschule), die neue Sache (da ist noch was, was ich dir geben will) kam da ja auch vor.
Wer mal die alte Kirche am Wirken sehen will, wer sich Tradition übersetzen kann, wer Gott erlebt bei Spaziergängen und in tausend Jahre alten Kapellen, wem Rituale und alte Bräuche des Glaubens helfen, wer auf echtes Klosteressen (einzigartig gewürzt) abfährt, wer es cool findet Gottesdienste in Lateinisch zu hören, wer einfach mal seine Ruhe in sicherer Umgebung haben will, für den ist Mariaa Laach ein genialer Ort.
Wer es lieber laut hat, wer Gott nur mit Gitarren-Lobpreismusik anbeten kann, wer sich zu sehr da dran stört, dass Leute Maria geil finden, wem es schwer fällt, sich im Gottesdienst mehrfach auf die Knie zu begeben oder sich vor Gott in Richtung Altar zu verbeugen, wer auf alte Traditionen nicht klar kommt, der sollte lieber woanders hingehen, wenn er sich eine Auszeit nimmt um eine intensive Zeit mit Gott zu haben.
Da ich keine konkreten Erwartungen hatte, war die Zeit für mich sehr geil. Ich gehe mit einem warmen Gefühl im Bauch nach Hause und mit einigen Worten, die mir helfen werden, Entscheidungen zu treffen.

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